Heimatbahnhof

Vor gefühlten hundert Jahren stand der Bahnhof auf dem Bild in voller Blüte. Pendler die nach Kassel fuhren bevölkerten morgens die Bahnsteige und standen an jedem Ersten Schlange für die neuen Monatskarten. Schüler die aus den umliegenden Dörfern ankamen waren auf dem Weg zur Realschule und Urlauber die erst ihre Koffer bei uns aufgaben, fuhren später mit dem D-Zug in den Urlaub. Und ich mittendrin in der Ausbildung zum Bundesbahnassistenten (NT). 1972 war das und das NT stand für “nicht technisch”. Da hießen Tickets noch Fahrkarten und kamen entweder auf kleinen Pappdeckeln aus der Druckmaschine, oder mussten per Hand geschrieben werden. Die Kilometer zwischen Start- und Zielbahnhof musste man sich dabei aus dicken Wälzern selbst berechnen und statt einer APP gab es das “Kursbuch“. Heimatbahnhof weiterlesen

Sonnentau

Um mich etwas aufzutauen, besuchte ich letztens im Botanischen Garten zwischendurch die Tropenhäuser. Das erste was beschlug war natürlich meine Kamera, also erstmal etwas akklimatisieren und Jacke aus. Fotografisch eher nicht so spannend das viele grüne Blattwerk der tropischen Bäume. Interessanter dagegen das kleine aber feine Gewächshaus mit den fleischfressenden Pflanzen, den “Insektivoren”. Die Fütterungszeit stand wohl noch aus, alle Pflanzen taten nämlich ihr Bestes, um Nahrung, sprich Insekten, anzulocken. Der Sonnentau macht das mit feinen “Tautropfen”, die aber dummerweise klebrig sind und sich nach dem Erstkontakt und der daraus entstehenden Hektik des kleben gebliebenen Opfers, noch zusammenrollen. Der Rest ist Verdauung.

Arbeit tötet

“Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf” sagte der Philosoph Hobbes im 16. Jahrhundert. Die Aussage ist zwar umstritten, da er davon ausgeht, dass nur ein starkes Oberhaupt die Menschen davon abzuhalten im Stande ist, sich gegenseitig aus egoistischen Interessen an die Kehle zu gehen. Was aber wenn Diktatoren die Menschen dazu bringen sich genauso zu verhalten? Wie dünn ist die zivilisatorische Schicht? Ein Blick auf die aktuellen Kriegsschauplätze gibt uns täglich die Antwort. Arbeit tötet weiterlesen

Das Starportrait

Neben der Nebelkrähe hat ein weiterer Vogel in der Stadt Einzug gehalten, den man auch eher tirilierend im Wald oder dem Park erwarten würde. Als ich ihn und seine Mitstreiter das erste Mal auf der Warschauer Brücke herumhüpfen sah, wusste ich ihn gar nicht zuzuordnen. Mit seinem purpur-glänzenden Gefieder mutet er etwas fremd an auf dem leicht maroden S-Bahn Zugang. Viel zu schick für das Ambiente, wie “overdressed” auf einer “Bad Taste” Party. Immerhin gibt es wohl genug für ihn zu essen, sicher der Hauptgrund für seine Anwesenheit. Zum Dank und zur Unterhaltung der Reisenden erfreut uns der Star, um den es sich hier nämlich handelt, dann mit den feinsten Melodien. Sozusagen ein echter Megastar.

Leuchtturm des Mittelmeers

Auf der Mittelmeerkreuzfahrt im Januar hat unser Schiff, die Norwegian Epic, auf dem Weg von Palermo nach Neapel zum Zeitschinden einen Umweg gemacht. Erwartete ich die Sonne morgens beim Aufwachen im Fenster zu sehen, lag dort -unerwarteter Weise – eine von der Sonne angestrahlte Insel. Also schien die Sonne von der anderen Seite. Beim kürzesten Weg läge unsere Kabine auf der rechten Seite des Schiffes aber Richtung Osten. Merkwürdig. Des Rätsels Lösung: Stromboli, eine der liparischen Inseln.

Um einen weiteren Seetag zu ermöglichen – die Strecke Palermo – Neapel ist sonst locker in einer Nacht zu schaffen – hatte der Kapitän beschlossen uns am Morgen erstmal mit einer Vulkaninsel zu beglücken. Damit auch alle Passagiere ausreichend Zeit und Muße hatten die Insel zu bestaunen, haben wir sie gleich 2x in Schleichfahrt umrundet. Der Vulkan rauchte ein bißchen vor sich hin, sah aber ansonsten recht idyllisch aus. Erstaunlicherweise gibt es dort sogar zwei Ortschaften, Stromboli und Ginostra. Knapp 600 Menschen leben dort. Fürs Anlegen war unser Schiff leider etwas zu groß. so dass es bei den Umrundungen blieb.

Bilder und Geschichten aus Berlin und der Welt

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