Blick auf das Märkische Viertel

Meine Straße, mein Block

Auf dem Album „Maske“ verarbeitet Sido 2004 seine Jugend im MV, im Märkischen Viertel, mit sehr drastischen Worten. Eine Hochhaussiedlung am Nordrand von Berlin, geplant und gebaut Ende der 60er Jahre für rund 50.000 Menschen. Die Zeit des sozialen Wohnungsbaus in Deutschland, mit all seine Auswüchsen.

Seitdem ich in Berlin wohne, wollte ich da immer schon mal hin. Mich gruseln, mitleidig auf die drogenabhängigen und ausgemergelten Bewohner herabblicken und die grauen Betonmonster fotografieren. Aber wie das so ist mit Vorurteilen, eigene Anschauung macht schlauer. So auch in diesem Fall.

Gut, ich hatte nicht ernsthaft nach so langer Zeit damit gerechnet, das große Elend vorzufinden, aber was ich gefunden habe, entspricht eher einer Idylle. Vor lauter riesigen, grünen Bäumen ist es fast unmöglich die Hochhäuser frei aufs Bild zu bekommen. Diese schneeweißen Hochhäuser mit ihren neckischen, farblichen Akzenten an Balkons und Fenstern. Frisch energetisch saniert, inzwischen bereits im gehobenen Preissegment angekommen. Einer der Häuserblocks spiegelt sich malerisch in einem See, an dessen Ufer Enten grasen und Bewohner picknicken. Da kann man fast ein wenig neidisch werden als Innenstadtbewohner.

Natürlich weiß ich nicht wie es drinnen aussieht. Gefällt es auch denen, denen es gefallen muss, weil sie da wohnen? Oder sind 16stöckige Häuser mit schätzungsweise 100 Wohnparteien trotzdem Legebatterien? Zu eng, zu dicht, konfliktbeladen? Der Blick vom Hügel des „Freizeit und Erholungsparks Lübars“ auf den Rand des Märkischen Viertels gibt darauf natürlich keine Antworten. Er wirkt allerdings auch nicht bedrohlich.

[Titel: OM-D E-M5, 150mm, f11, Dramatic Tone]

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