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Nachthell

Berlin ist ja grundsätzlich nicht wirklich dunkel. Die Lichtverschmutzung in großen Städten sorgt dafür, das es selbst in Neumondnächten ausreichend hell ist. Noch stärker macht sich das bemerkbar, wenn es anfängt zu schneien. War der Blick zum Fenster eben noch relativ und erwartungsgemäß dunkelgrau, wechselt das Licht mit jeder fallenden Schneeflocke hin zu einem helleren Grau. Wenn dann alles mit frischem, weißem Schnee bedeckt ist, die Töne nur noch gedämpft das kuschlig, warme Wohnzimmer erreichen, dann ist es draußen auf einmal auch mitten in der Nacht überirdisch hell.

Zusammen stehen

Heute ist Donnerstag, zwei Tage nach dem furchtbaren Anschlag an der Gedächtniskirche. Ein Anschlag auf unsere Art zu leben, ein Anschlag gegen die Menschlichkeit, anders kann man es nicht bezeichnen. Dienstagabend war ich in Frankfurt, 600 Kilometer entfernt von zu Hause und trotzdem verbunden. Im Schrecken. In der Ohnmacht. Im Nichtverstehen.

Ich hatte bisher gehofft wir bleiben verschont, dass der Terror Deutschland doch nicht erreicht. Aber das war wohl Wunschdenken. Und dann noch auf diese unvorstellbar perfide Weise. Aber auch wenn die Bildzeitung am Tag danach über die halbe Seite „ANGST“ tituliert, gehen die Berliner weiter ihren Beschäftigungen nach, besuchen die Weihnachtsmärkte, machen letzte Weihnachtseinkäufe und gedenken der Opfer. Und demonstrieren gegen die, die aus dem Anschlag politisches Kapital schlagen wollen. Gegen die Pauschalierer und rechten Populisten. Gegen die Angstmacher und Rattenfänger. Das macht Hoffnung.

Ich wünsche allen Lesern meines kleinen Blogs trotz unruhiger Zeiten ein ruhiges und friedvolles Weihnachtsfest.

Aufs Dach gestiegen

„205 Stufen“ steht auf dem Schild am Beginn der Treppe. Ergänzt um den Hinweis: „Entspricht acht Stockwerken in einem Altbau“. Wer am „Tag der offenen Tür“ das Dach des Stadtschlosses erreichen will, weiß also bereits was ihn erwartet. Abgehalten hat es niemanden, „The rooftop“ ist gut besucht. Wer auf den Zwischenetagen eine kurze Pause einlegen will, kann musikalischen Darbietungen lauschen, oder einen Kaffee trinken und dazu leckere Fleischbällchen aus dem Streetfood-Popup-Store genießen. Aufs Dach gestiegen weiterlesen

Mitten im Nichts

Eigentlich fehlten damals nur noch die Steppenläufer, um die die Einsamkeit am Berliner Hauptbahnhof zu unterstreichen. Vielleicht noch ein paar Takte eines Songs von Ennio Morricone, perfekt. Wie ein Solitär stand der heute vor genau 10 Jahren eröffnete Berliner Hauptbahnhof im Nichts. Rechtzeitig zur WM war er fertig geworden, unvergessen das spektakuläre runterklappen der Bügelbauten. Das große Feuerwerk zur Eröffnung mit tausenden, feiernden Menschen. Berlin hatte wieder einen echten Hauptbahnhof.

Heute stehen die Hotels und Bürobauten bereits so dicht um den Bahnhof, dass man ihn aus mancher Sichtachse kaum noch sehen kann. Vergessen inzwischen die Nörgeleien über den unfertigen Bahnhof, die fehlenden Anbindungen und herunterfallende Bauteile nach einem Orkan. Der Hauptbahnhof pulsiert, auf zwei Ebenen fahren die Züge fast im Minutentakt, dazwischen täglich tausende Reisende auf Rolltreppen und Bahnsteigen. Gesteuert von einem unsichtbaren Dirigenten.

Herzlichen Glückwunsch lieber Hauptbahnhof, wir sehen uns auf deiner Geburtstagsfeier am Samstag.